Vom Wochenblatt für das Oberamt Nürtingen
bis zur Nürtinger Zeitung

1933 - 1945

Aus einem ausgefüllten Fragebogen der Military Government of Germany vom 18. September 1945 und einem handgeschriebenen Lebenslauf vom 21. September 1945 geht hervor, dass zwischen 1933 und 1945 folgendes passiert ist: Gustav Senner wurde 1933 gezwungen, „auf gewaltsame Weise und unter schärfsten Drohungen“, sich mit 49 Prozent am NS-Presse Verlag Nürtinger Tagblatt zu beteiligen. In Wirklichkeit wurde er enteignet, denn er erhielt keinen Anteil für Abonnement und Anzeigen, er war lediglich Lohndrucker für die Zeitung bis zum Kriegsausbruch. Er war zwangsweise Parteimitglied von 1942 bis 1945. Der Titel des Nürtinger Tagblatts hieß am 15. Juli 1933: „NS-Presse Nationalsozialistische Tageszeitung, Amtsblatt aller Behörden Oberamt Nürtingen, Herausgeber: Wilhelm Murr (Reichsstatthalter für Württemberg)“

 

Die Zeitung hatte den Titel „Parteiamtliche Zeitung“ mit dem Untertitel Neuffener Rundschau/Wendlinger Zeitung. Das Impressum lautete 1941: NS-Presse Württemberg, Gesamtleitung Boegner, Stuttgart, Verlagsleitung NS-Presse Württemberg GmbH, Zweigniederlassung Nürtinger Tagblatt Wilhelm Theurer, i. V. Erwin Rauscher, Schriftleiter Karl Rudolph, Druck: Senner-Druck, Nürtingen.

1945 - 1946

Nach dem Einmarsch der Besatzungstruppen 1945 wurde auch das Nürtinger Tagblatt verboten. Die letzte Ausgabe erschien am „Führergeburtstag“, also am 20. April 1945. Es zeigte sich natürlich bald, dass es heutzutage ohne Vermittlung einer Zeitung unmöglich ist, zu verwalten und zu regieren. So veranlasste die Besatzungsmacht, dass vom 8. Juni 1945 an ein „Mitteilungsblatt für Nürtingen und Umgebung“, herausgegeben wurde, ein von der Bevölkerung so genanntes „Fressblättle“.

Am 11. August erhielt diese kleine Zeitung den Namen „Amtsblatt“ und im April 1946 übernahm der Kreisverband dessen Herausgabe. Es war gedacht als Information für die Geschäfte. Es teilte ihnen mit, was wann an die Bevölkerung auf deren Lebensmittelkarten auszugeben sei.

 

 
Gustav Senner druckte immer mehr Exemplare vom „Fressblättle“, als er für die Geschäfte benötigte. Die überzähligen Exemplare verkaufte er dann für zehn Pfennig das Stück. Der – nicht genehmigte – Verkauf erfolgte per Hinausreichen durch ein Kellerfenster. Die Sache hatte sich bald eingespielt. Zur bekannten Zeit stellten sich die Leute dann automatisch ein, oft in sehr großer Zahl, vor dem Kellerfenster. Senner gab dann vom 13. August 1948 an einen „Nürtinger Kleinanzeiger“ heraus, so dass es der Bevölkerung wenigstens möglich war, Familiennachrichten und Verkaufsanzeigen zu veröffentlichen. Wohl kamen von auswärts die da und dort neu zugelassenen Zeitungen in Stadt und Kreis Nürtingen herein, immer mehr vermisst wurde aber eine wirklich bodenständige Lokalzeitung.

1949

 
Mehrmals versuchte auch die Buchdruckerei Senner eine Lizenz für eine neue Zeitung zu erhalten, jedoch ohne Erfolg. Erst durch den Zusammenschluss mehrerer Herausgeber gelang es, im Zuge der US-Generallizenz die Genehmigung für eine Tageszeitung zu erhalten.

So konnte auch in Nürtingen wieder eine Lokalzeitung erscheinen, wie sie die Einwohnerschaft der Stadt und des ehemaligen Nürtinger Oberamts gewohnt waren. Zwar musste die neue Zeitung einen neuen Namen annehmen, aber das tat nichts zur Sache; aus dem „Nürtinger Tagblatt“ wurde die „Nürtinger Zeitung“, die die Tradition ihrer Vorgängerin fortsetzte. Die Nürtinger Zeitung erschien erstmals am 12. Februar 1949, und aus dem ganzen früheren Verbreitungsgebiet des Nürtinger Tagblatts liefen die Bestellungen in großer Zahl ein. 1956, zum 125 Jährigen Jubiläum, hat die Nürtinger Zeitung 11 000 feste Bezieher und übertrifft damit die Auflage aller anderen im Altkreis Nürtingen gelegenen Zeitungen zusammen und ein Vielfaches.

1953

 
Völlig unerwartet starb am 8. August 1953 die Frau des damaligen Inhabers, Emilie Senner geborene Jauss in Schruns (Österreich).

1954

 
Gustav Senner, der sich den Tod seiner Frau sehr zu Herzen genommen hatte, überlebte sie nur kurze Zeit. Er verschied im darauffolgenden Jahr, am 26. Juni 1954, nachdem er jahrelang an einer hartnäckigen Krankheit gelitten hatte.

 

Da Emilie und Gustav Senner aus ihrer Ehe keine Kinder hinterließen, übernahm Trude Maier, geb. Steinhilber, eine Großnichte des verstorbenen Inhabers, den Betrieb nach dessen Tod.

 

50 Jahre sind seither vergangen. Gerade sie brachten den rasantesten technischen Umbruch der Firmengeschichte. Immer und immer wieder musste und wollte man sich den neuesten Entwicklungen anpassen.